
Achim Schad
Bad Rodach, 7. Oktober 2011. Während in Deutschland seit einigen Jahren immer mehr Väter Elternzeit nehmen, spielen männliche Bezugspersonen in Kindergarten und Grundschule immer noch kaum eine Rolle. Seit der Zeit der Industrialisierung sank durch die Trennung von Arbeit und Wohnen der Anteil der Männer im Sozialisationsumfeld von Kindern. „Mehr Männer als Erzieher und Lehrer hätten positive Auswirkungen – sowohl für Jungen als auch für Mädchen“, meint der Paar- und Familientherapeut Achim Schad, Referent auf dem 1. JAKO-O Familien-Kongress in Österreich.
Achim Schad wird auf dem JAKO-O Familien-Kongress unter anderem über das Thema „Kinder brauchen Väter“ sprechen. Vorab beantwortet der Experte Eltern wichtige Fragen zum Thema Vaterrolle.
Warum sind Väter wichtig?
Väter stellen wie Mütter ebenso 50 Prozent der genetischen Herkunft jedes Menschen dar und sind ähnlich wichtig. Mütter besitzen in der Erziehung durchschnittlich mehr Einfühlungsvermögen als Väter. Während Mütter eher fürsorglich sind und Kinder emotional unterstützen, haben Väter zumeist eine andere Rolle. Im Gegensatz zu Frauen stellen Männer ihre eigenen Bedürfnisse weniger zurück und sind egoistischer.
Väter sind gegenüber ihren Kindern meist weniger einfühlsam und fordernder. Dadurch regen sie beim Kind Eigenverantwortung und Selbständigkeit an.
Eine ganz wichtige Rolle spielen Väter im Rahmen der Geschlechtsrollenorientierung. Diese findet bereits im Alter von zwei Jahren statt. Söhne brauchen die Ablösung vom Weiblichen. Ohne die väterliche oder eine andere männliche Präsenz erfolgt die Hinwendung zum Männlichen unvollkommen und die Ablösung vom Weiblichen ebenso. Auch Mädchen brauchen für ihre Geschlechtsrollenorientierung die Spiegelung im Männlichen.
Fehlt die männliche Rollenorientierung, kann sich eine männliche Identitätsstörung in Labilität, mangelnder Leistungsbereitschaft, im gestörten Sozialverhalten und destruktiven Aggressionen zeigen. Während sich diese Identitätsstörungen bei Söhnen eher früh und sehr auffällig zeigen, ist dies bei den Töchtern nicht der Fall. Hier zeigt sich eine Störung der Identität etwa ab der Pubertät – im unsicheren Umgang mit dem männlichen Geschlecht und in instabilen Partnerschaften.
Bei alleinerziehenden Elternteilen: Welche Auswirkung hat dies auf das Kind bzw. den Jugendlichen?
In den meisten Fällen sind es die Mütter, die die Kinder allein erziehen. Großen Einfluss auf das Kind hat, wie der alleinerziehende Elternteil über den abwesenden Elternteil spricht. Wichtig ist aber vor allem, wie der Kontakt zum anderen leiblichen Elternteil aussieht. Sucht der Abwesende den Kontakt zum Kind oder meidet er ihn? So verkraften Halbwaisen den Verlust eines Elternteils leichter als Kinder, bei denen der andere Elternteil kein Interesse mehr zeigt oder über den negativ kommuniziert wird. Vorausgesetzt natürlich, dass der oder die Verstorbene als interessierter und liebevoller Elternteil in Erinnerung geblieben ist und somit auch kaum Kränkungen und Selbstwertprobleme beim Kind auslöst.
Vorteilhaft ist es auf jeden Fall, wenn bei einem abwesenden Vater diese Rolle ein naher Verwandter wie Großvater und Onkel oder ein neuer Partner besetzt. Für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist eine vertrauenswürdige männliche Bezugsperson sehr wichtig.
Viele Väter sind Vollzeit berufstätig. Wie präsent sollte ein Vater ihrer Meinung nach sein?
Das ist sehr individuell und kommt auf das Zusammenspiel von Frau und Mann an. Bei guter Harmonie herrscht ein Konsens darüber, wie viel und in welcher Art und Weise die Zeit mit der Familie verbracht wird. Es ist auch ganz entscheidend, wie die Anwesenheit des Vaters kommuniziert wird – erkennt die Mutter die Präsenz an und bewertet diese positiv, dann hat dies auch positive Auswirkungen auf das Kind. Kinder sollten vermittelt bekommen, dass bei Abwesenheit des Vaters dieser für die Familie arbeitet und auch sonst für die Familie da ist.
Jede gemeinsame Stunde in der Familie ist wertvoll. Kinder sollten spüren, dass beim Vater die Familie neben dem Job höchste Priorität hat – und nicht etwa Freunde, Sport, Hobbys oder Ehrenamt.
Sind Väter durch ihren Job wochen- und monatelang abwesend – wie beispielsweise auf Montage oder als Schiffskapitän, dann sollte so oft wie möglich der Kontakt über Telefon oder Skype gesucht werden.
Zur Person: Achim Schad
Diplom-Sozialpädagoge Achim Schad ist Paar- und Familientherapeut in freier Praxis und Fachbereichsleiter Familienbildung in der Bergischen VHS Solingen/Wuppertal. Achim Schad ist Vater einer erwachsenen Tochter und war Pflegevater von zwei Jungen.
Über JAKO-O
Die JAKO-O GmbH ist mit mehr als 1,5 Millionen Kunden einer der großen Spezialversender in Deutschland. Zu den Produkten zählen Kinderkleidung und alles für das Kinderzimmer, Spielsachen für drinnen und draußen sowie Materialien zum Lernen, Lesen und Basteln. Mit der Initiative „Ideen für ein kinderfreundliches Land“ setzt sich JAKO-O für Kinder und Familien ein. Um ihren Wünschen und Bedürfnissen im politischen Geschehen mehr Gewicht zu verleihen, initiierte das Unternehmen die JAKO-O Bildungsstudie, schickte das JAKO-O Mobil auf den Weg und gab den Anstoß für eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf kindertypische Produkte und Dienstleistungen. Die Kompetenzen rund um die Themen Erziehung, Schule, Partnerschaft und Familienmanagement stärkt JAKO-O mit eigenen Familien-Kongressen. Eine verantwortungsvolle Herstellung ist JAKO-O wichtig: der Betrieb ist nach EG-Öko-Audit-Verordnung zertifiziert und bietet immer mehr Artikel an, die den Oeko-Tex® Standard 100 erfüllen und deren gesamte Produktionskette den Richtlinien von bluesign® folgt.
JAKO-O wurde 1987 gegründet und gehört neben dem Spielwarenhersteller HABA sowie dem Kindergarten- und Schulausstatter Wehrfritz zur HABA-Firmenfamilie. Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter ist Klaus Habermaaß. Die HABA-Firmenfamilie beschäftigt im nordbayerischen Bad Rodach (Oberfranken) etwa 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für ihre familienfreundliche Unternehmenspolitik wurde die gesamte HABA-Firmenfamilie bereits mehrfach mit dem Zertifikat zum Audit berufundfamilie®, einer Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, ausgezeichnet.